Neujahrsschwimmen 2026 am Erfurter Nordstrand

Gelesen auf Facebook sowie in der Thüringer Allgemeinen Zeitung am 2. Januar 2026

4. SONTRIA in Rauenstein

Gelesen in der insuedthueringen.de vom 19. August 2025

 

Diesmal gibt’s Dreierlei im Dornthal


Viele sportbegeisterte Einzelstarter, aber auch Mannschaften fanden sich im Schwimmbad Rauenstein ein, um bei der mittlerweile vierten Auflage eines immer beliebter werdenden Sportformats anzutreten. Das Wettkampfkonzept setzt neben dem Leistungsgedanken vor allem auf die Einbindung von Familien. Die Rede ist vom Sontria, dem Sonneberger Triathlonwettbewerb, den der Kreissportbund (KSB) Sonneberg gemeinsam mit vielen Helfern und Gönnern organisiert, vorbereitet und ausrichtet.


Aktive haben die Wahl: S, M oder L


„Ich finde es super, dass der in diesem Jahr in Rauenstein stattfindet“, so Mario Winter, Vorsitzender des FSV Triathlon Rauenstein, der neben KSB-Chef Robert Eberth auch als Moderator fungierte. Das idyllisch gelegene Schwimmbad im Dornthal bot neben dem Schwimmen außerdem einen idealen Ausgangspunkt für die Rad- und Laufrunde. Aus vielen Vereinen – darunter beispielsweise der Schwimmbadverein Frankenblick, der Radsportverein Sonneberg, der Turnverein „Friedrich Ludwig Jahn“ Sonneberg, der Schwimmverein Sonneberg und der FSV 06 Rauenstein – waren rund 50 ehrenamtliche Helfer im Einsatz.

Pünktlich um 9 Uhr erfolgte der Startschuss für die verschiedenen Wettbewerbe. Mit dabei waren natürlich die beiden Schirmherren, Jonas und Jakob Jannusch, sowie Thüringens Justizministerin Beate Meißner, die dieses Mal in ihrer Funktion als Vorsitzende der Kreissportjugend anwesend war, Frankenblicks Bürgermeisterin Ute Müller-Grothe sowie natürlich jede Menge Sportler und Zuschauer. Mehr als 200 Teilnehmer im Alter von 8 bis 65 Jahre – also mehr als das Doppelte gegenüber dem Vorjahr – kamen; dazu viele Familien, Freunde und sogar Fanclubs.

Die Aktiven hatten die Wahl aus drei unterschiedlichen Kategorien: S (für Kinder und Familien), M (Jugendliche, Hobbysportler) und L (Leistungssport und Mutige). Antreten konnte man als Einzelsportler oder als Staffel. Die verschiedenen Kategorien unterschieden sich im Schwierigkeitsgrad und in den Streckenlängen voneinander. Es wurde – wie üblich beim Triathlon – geschwommen, geradelt und gelaufen. Besonders beliebt waren neben den Einzelstarts auch die Staffeln – entweder als reine Familien- oder als Freundesstaffel.

Auch Marcel Recknagel, Geschäftsstellenleiter des Kreissportbundes Sonneberg, freute sich neben Sportjugendkoordinatorin Susanne Traut über die hervorragende Beteiligung und den reibungslosen Ablauf der Veranstaltung bei hochsommerlichen Bedingungen. Ein großes Dankeschön verdienten sich natürlich die Aktiven, aber auch die Sponsoren, Zuschauer, Helfer, die DRK-Sanitätsbereitschaft, die Gemeinde und die Feuerwehren sowie der Bauhof. Die Athleten lobten einerseits die perfekten Wettkampfbedingungen, andererseits aber auch die anspruchsvollen Strecken beim Laufen und Radeln sowie die
Bedingungen im Wasser und die Verpflegungsstände.


Silhouetten auf den Medaillen


Die Wettkämpfe, die im Becken des Rauensteiner Schwimmbades begannen und nach Radfahren und Laufen im Schwimmbad endeten, waren für die Teilnehmer eine echte Herausforderung. Glücklich, teilweise auch erschöpft, aber stolz auf das Erreichte, kamen die großen und kleinen Sportler im Ziel an. Am Ende gab es schöne Medaillen aus Porzellan, die an die Tradition der Porzellanherstellung in Rauenstein erinnern – aber nicht nur für die Besten auf dem Siegerpodest, sondern für alle Teilnehmer. Darüber hinaus freuten sich die zeitschnellsten Frauen, Männer und Staffeln über individuell vom
Förderzentrum Sonneberg gefertigte Tonpokale, auf der die Silhouetten der Burgruine und der Kirche Rauenstein zu sehen sind.


Alle Ergebnisse sind online abrufbar unter: https://tria.ksb-son.de

 

Triathlon-Splitter und Triathlon-Ruhmestafel: Zwei Männer tragen Schirme


Diesmal hatten beim SONTRIA zwei erfolgreiche Sportler aus der Region die Schirmherrschaft inne: Mit Jonas und Jakob Jannusch waren zwei junge Sportler gewonnen worden, die im Juniorenbereich sehr erfolgreich gewesen waren und neben nationalen Titeln auch internationale Erfolge gefeiert hatten. Beide berichteten in Rauenstein über ihren sportlichen Werdegang und was sie heute tun. Während Jonas Jannusch verletzungsbedingt das Bobfahren aufgeben musste, ist der als Doppelsitzer bekannte Jakob mittlerweile wieder als Fußballer aktiv. Beide sind beruflich bei der Bundespolizei in Erfurt.

Jonas Jannusch: „Ich bin eine ganze Weile aus dem Leistungssport raus, habe mich aber über die Einladung, die Schirmherrschaft zu übernehmen, sehr gefreut. Es ist wunderbar, zu sehen, dass an einem Sonntagmorgen ins beschauliche Rauenstein viele sportbegeisterte Menschen kommen und viele Ehrenamtliche eine solche Veranstaltung möglich machen. Sport schafft innere Werte und zeigt, dass dir im Leben nicht alles geschenkt wird. Eltern sollten also ihren Kindern ermöglichen, Sport zu treiben.“

Jakob Jannusch: „Ich zähle mich heute schon zu den Einheimischen, wohne gerade mal ein paar Kilometer entfernt. Ich bin gerne wieder nach Rauenstein zurückgekommen, wo ich bereits Fußball gespielt habe. Der weitläufige Bereich um das Schwimmbad herum zeigt die ganze Bandbreite des großartigen Triathlon-Wettbewerbes. Bei einem solchen Wettkampf können besonders Kinder und Jugendliche lernen, was es heißt, als Team unterwegs zu sein, zueinander zu stehen und zusammen zu gewinnen oder zu verlieren. Das prägt für das weitere Leben.“

Abseits von Badekappe, Rad und Laufschuh: lud ein vielfältiges Rahmenprogramm zum Verweilen ein; zudem mundeten sicherlich die leckeren Speisen sowie kühlen Getränke. Für den einen oder anderen endete die familienfreundliche Veranstaltung auch mit einem Sprung ins kühle Nass.

Pfiffige Förderer: Neben den unermüdlichen Helfern gab es natürlich auch zahlreiche Förderer des SONTRIA, die sich auf verschiedene Weise einbrachten und sogar Teil des Triathlons wurde. Da startete zum Beispiel Martin Blechschmidt (LIKRA Sonneberg) in der M-Kategorie. Stefan Wohlfahrt (Elektro Sonneberg) schickte das Klassement der Kategorie S ins Wasser. Und der Schlüsseldienst der Spielzeugstadt förderte den längsten Dreikampf.


Ein Wiedersehen im Kalenderjahr 2026? Die fünfte Auflage des SONTRIA wird es voraussichtlich am 23. August 2026 in Sonneberg geben. 

Kategorie L –Staffel:

  1. Emil Liebermann/Emma Dornaus/Raffael Allin (SWV Goldlauter Heidersbach)
  2. Matthias Kaden/Jens Fleischhauer/Frank Elsner (Wendig wie ein Dachs)
  3. Florian Eichhorn/Nele Krüger/Jakob Then (Die halbtoten Helden)

Einzel:

  1. Sebastian Heinze
  2. Stephan Braun
  3. Pascal Frank

 

Kategorie M –Staffel:

  1. Jennifer Bilz/Janis Riehlein (JJ)
  2. Erik Herbst/Aaron Göhring/Paul Ritter (Die Beginner)
  3. Roy Beiersdörfer/Roy Beiersdörfer/Mathis Bätz (Die Kaffeebohnen reloaded)

Einzel:

  1. Sandro Pop
  2. Andreas Heym
  3. Ulrike Glatz

 

Kategorie S –Staffel:

  1. Erik Herbst/Aaron Göhring/Aaron Ritter (Die Beginner)
  2. Tom Schultheiß/Tom Schultheiß/Mikah Schultheiß (Papa HÜÄH und die Next Generation)
  3. Ferdinand Lachner/Max Lachner (Team Lachner)

Einzel:

  1. Hannah Diez,
  2. Valentin Lachner,
  3. Leni Braun

Jubiläum beim Anbaden am Erfurter Nordstrand

Erfurt. Zum 25. Mal stürzen sich am Neujahrsmorgen Mutige ins kalte Nass des Baggersees. Eine andere Zahl interessiert Bader und Schaulustige aber noch mehr – die Wassertemperatur.

Jubiläum aber ohne Rekord. Beim 25.Neujahrsbaden am Erfurter Nordstrand wagten sich am Neujahrs-Nachmittag genau 112 Frauen und Männer ins Wasser. Damit wurde der Rekord, „irgendwas über 200“ zwar nicht geknackt, aber die Beliebtheit des Events für Eisbader erneut bestätigt.

Nur 4 Grad Wassertemperatur und böige Winde


Einer konnte es sichtlich kaum abwarten. Felix Wendisch, Mitglied der DLRG und aus Leipzig, stürmte nahezu auf den eigentlichen Tauchsteg, von dem es ins 4 Grad kalte Wasser ging. Er sei schon ein paar Mal dabei gewesen, mag das Anbaden in Erfurt sehr. Beeilte sich aber auch ganz schnell, wieder sich abzutrocknen.

Das war vielleicht die größte Herausforderung bei der 2025-er Auflage. Böiger Wind wurde für die Badenden zur eiskalten Frischekur noch nach dem Sprung ins Wasser. Die meisten zog es so auch ganz schnell wieder in die Klamotten. Nur einige wenige machten sich noch auf zu einer weiteren Runde in dem schön klaren Wasser des Baggersees.

Gelesen in der Thüringer Allgemeinen vom 2. Januar 2025

Monte-Rosa-Hochtour

Hervorgehoben

Monte-Rosa-Bergmassiv in den Walliser Alpen (Juli 2021)

Mehrtägige hochalpine Wanderung im Monte-Rosa-Massiv in den Walliser Alpen.

IM JULI 2021

Tag 1 – Bergstation Klein Matterhorn (3.883 m) – Breithorn-Überschreitung (4.164 m) – Lambronecca Hütte (3.425 m)

Ausgangsort war das autofreie Bergsteigerdorf Zermatt auf einer Höhe von 1.608 m. Eine sechsköpfige Gruppe gipfelhungriger Bergsteiger und Bergsteigerinnen wurde unter der tiefenentspannten und hochkompetenten Leitung zweier junger Bergführer des DAV SUMMIT CLUB eine Woche lang in die imposante Gletscherwelt in einer der höchstgelegenen Bergregionen Europas begleitet.

Blick aus der Gondel der Luftseilbahn „Glacier Paradise“ auf dem Weg zur Station „Klein Matterhorn“ auf 3.883 m (Juli 2021)

Der erste Tag begann mit der Fahrt auf die Bergstation Klein Matterhorn (3.883 m) mit dem Matterhorn Glacier Paradise. Die 45-minütige Fahrt mit dieser modernen Luftseilbahn machte sofort die Dimensionen klar, die diese Giganten aus Fels und Eis in den kommenden Tagen für uns alle bereit halten werden würden. Der freie Blick auf einen der bekanntesten Berge der Welt – das 4.478 Meter hohe Matterhorn allein war diese Reise bereits wert. Der erste aus eigener Kraft erreichte Gipfel der gemeinsamen Hochtouren-Woche wurde das Breithorn (4.164 m). Lediglich 280 Höhenmeter trennen die Bergstation von meiner persönlichen 4.000er Premiere. Noch niemals zuvor in meinen Leben stand ich auf einem derart hochgelegenen Berggipfel. Natürlich bekam ich einige Zeit später bereits zu spüren, was es bedeutet, innerhalb so kurzer Zeit in dieser Höhe herum zu wandern. Leichte Symptome der sog. „Höhenkrankheit“ gesellten sich zu einem ansonsten traumhaften Auftaktabend auf der Lambronecca Hütte (3.425 m), unserem ersten Tagesziel.

Kurze Verschnaufpause auf dem Weg hinauf zum Breithorn-Gipfel (4.164 m) – einem der leichteren 4.000er in den Walliser Alpen.

Tag 2 – Castor-Überschreitung (4.221 m) – Quintino-Sella Hütte (3.584 m)

Die Nacht verlief den Umständen entsprechend recht gut und außer einem leichten Schläfendrücken begleitete mich zu Beginn des 2. Tages ausschließlich die Vorfreude auf die kommenden Highlights dieser in der Tat außergewöhnlichen Hochtouren-Woche. Frühes Aufstehen gehört zum ganz normalen Alltag am Berg. Die Vorteile liegen auf der Hand. Neben den deutlich niedrigeren Temperaturen am Morgen und der relativ hohen Wahrscheinlichkeit für eine entsprechend positive Gletschersituation sind auch noch die frühzeitige Einkehr auf der nächsten zu besuchenden Hütte und natürlich auch die unfassbar schönen Sonnenaufgänge zu nennen.

Wenige Meter unterhalb der Castor-Gipfel-Pyramide (4.221 m) wartet ein kurzer, aber dennoch konzentriert zu absolvierender Schneegrat. Zu beiden Seiten fallen die Steilwände mehrere hundert Meter in die Tiefe.

Als Gipfelziel stand die Castor-Überschreitung (4.221 m) auf dem Programm. Nachdem wir den Zwillingsgipfel, den Pollux, in unmittelbarer Nachbarschaft bestaunen konnten, konzentrierten wir uns bereits in den frühen Morgenstunden auf unsere erste Überwindung der heutigen Schlüsselstelle – ein leichter Firnhang mit maximal 50° Steilheit sowie im Anschluß daran ein flach ansteigender und ca. hüftbreiter Gipfelgrat garnieren diesen unvergesslichen Aufstieg zu meinem erst zweiten 4.000er-Gipfel. Völlig windstill und sonnenüberladen erwartet unsere Gruppe ein herrlich klarer Blick über die gesamte Bergwelt der Walliser bis hin zu den Berner Alpen. Sogar der Mont Blanc, mit seinen 4.810 m die höchste Erhebung in Zentraleuropa, ist mit seiner breiten Schneekappe unverkennbar in der Ferne zu erspähen.

Gipfelerfolg am Castor (4.221 m) bei völliger Windstille und einem atemberaubenden Panoramablick bis hinüber zur Mont-Blanc-Gruppe.

Wir alle sind total glücklich, an diesem Tag und bei diesen traumhaften Bedingungen auf diesem wider Erwarten doch recht unschwierig zu erreichenden Gipfel unsere wohlverdiente Brotzeit machen zu können. Der anschließende Abstieg führt uns auf die Quintino-Sella Hütte (3.584 m). Dort genießen wir die frühe Rückkehr im Liegestuhl auf der Sonnenterrasse. Was für ein grandioser Auftakt.

Tag 3 – Schneedomspitze (4.272 m) – Balmenhorn (4.167 m) – Vincent-Pyramide (4.215 m)

Am dritten Tag erwarten uns nun bereits deutlich mehr Höhenmeter und insgesamt drei Gipfel oberhalb von 4.000 Meter. Als mittlerweile gut akklimatisierte Bergsteigerinnen und Gletscherwanderer steigen wir zum Auftakt gleich einmal in einen steilen Firnhang ein, der an diesem Tag unter der Sicherung der erfahrenen und stets hilfsbereiten Bergführer mit guter Laune in Angriff genommen wird. Etwa zwei Seillängen kämpfen wir uns unter Einsatz von Steigeisen und Pickel Schritt für Schritt in Richtung Gipfel. Das Knirschen der Frontalzacken und die Einschläge der Eisäxte bilden einen unvergesslichen Rahmen für eine kurze und spannende Trainingseinheit in Sachen „Steileis und Firnhänge“.

Wieder einmal genießen wir am höchsten Punkt ein atemberaubendes Panorama und völlige Windstille auf meinem persönlichen erst dritten 4.000er-Gipfel, der Schneedomspitze (4.272 m). Weiter geht’s in Richtung Balmenhorn (4.167 m), einer winzigen Erhebung im Umfeld riesiger Eis- und Felsgiganten. Als nichtoffizieller 4.000er und somit auch nicht Teil der auf der UIAA-Liste vermerkten insgesamt 82 Gipfel mit mehr als 4.000 Metern Gipfelhöhe, ist dieser Berg nicht wirklich eine enorme Herausforderung. Allerdings ist für uns alle an diesem Tag auf dem langen steilen Weg über die Gletscher doch schon einiges an Kraft verloren gegangen.

Die Sonne drückt schwer und erbarmungslos, so wie auch der Rucksack mit allen nötigen Ausrüstungsgegenständen für das einwöchige Leben auf Hütten sowie den obligatorischen Pflichtwerkzeugen für jedwede Art von Gletschertour. Schnell kommt so ein Gewicht von 8-10 Kilogramm zussammen, zuzüglich etwa 2-3 Kilogramm für die notwendige Flüssigkeit, die sich bei mir aus einer 1 Liter-Thermoskanne und einer 1,5 Liter-Trinkblase zusammensetzt. Mein Rucksack hat ein Fassungsvermögen von 38 Litern und ich bin begeistert, wie wenig ich das Gewicht dann doch letztlich auf dem Rücken spüre. Nur die Hitze macht mir im Anstieg zu schaffen.

Zahlreiche geführte Seilschaften kämpfen sich Schritt für Schritt über die flache Gletscherkuppe in Richtung Balmenhorn (4.167 m)

Der Gipfel meines mittlerweile vierten 4.000ers wartet mit einem kurzen, aber seilversicherten Steig direkt unterhalb des höchsten Punktes auf. Oben angekommen begrüßt uns eine riesige, weithin sichtbare Christus-Statue, die auf diese Weise über dem Tal wacht und mich jetzt vor allem daran erinnert, dass ich mich auch hier oben stets behütet und beschützt fühlen darf. Das macht Mut für die kommenden schweren Tage. Der anschließende kurze Aufschwung über die nahe gelegene Vincent-Pyramide (4.215 m) ist der Zuckerguß auf eine Torte, bestehend aus einer herrlichen Gletscherrunde mit insgesamt 3 Gipfelsiegen und dem damit verbundenen „Bergfest“. Denn somit ist die Hälfte der gesamten Tour bereits geschafft.

Tag 4 – Schwarzhorn (4.321 m)- Ludwigshöhe (4.341 m) – Parrotspitze (4.432 m) – Zumsteinspitze (4.563 m) – Signalkuppe – Refugio Capanna Margherita (4.554 m)

Ein riesiger Koloss aus Eis und Fels reiht sich in dieser gigantischen Landschaft an den nächsten. Es ist ein Geschenk, für einige Tage lang Teil dieser Bergwelt zu werden.

Am vorletzten Tag wartet nun also die „Königsetappe“ der gesamten Hochtouren-Woche im Monte-Rosa-Massiv im Herzen der Walliser Alpen in den einmaligen Schweizer Bergen. Insgesamt nicht weniger als 5 Gipfel oberhalb der Grenze von 4.000 Metern sollen heute mit viel Ausdauer und entsprechend angepasstem Tempo gemeinsam geschafft werden. Gutes Wetter war bislang unser treuer Begleiter in den vorangegangenen Tagen. Heute aber ist es deutlich zugezogen und es drohen Kälte und Windgeschwindigkeiten bis zu 60 km/h. Auf der Höhe, in der wir uns seit Tagen bewegen, fällt unter diesen Umständen jeder Schritt schwer. Jeder Atemzug wird zur lebensnotwendigen Kraftquelle und permanente Konzentration ist bei diesen Bedingungen gefordert, doch sie fällt immer schwerer. Gut, dass wir zwei so erfahrene und wirklich in jeder Situation souverän agierende Bergprofis an der Seite wissen. So erreichen wir tatsächlich unter objektiv schweren Wetterverhältnissen und ein wenig erschöpft den höchsten Gipfel unserer gesamten Tour sowie die höchste bewirtschaftete Hütte der Alpen. Die Zumsteinspitze (4.563 m) und die Signalkuppe mit der dort oben wie ein Adlerhorst wirkenden Berghütte, dem „Refugio Capanna Margherita (4.554 m)„, runden einen wirklich anspruchsvollen Hochtouren-Tag ab und entführen uns alle in eine Welt, in der vor allem eines herrscht: Sauerstoffmangel.

Der Luftdruck verringert sich bis 4.500 Metern um 40 Prozent im Vergleich zur Meereshöhe. Auf dieser Höhe sind nicht selten zu beobachtende Symptome wie Koordinationsstörungen, Kopfschmerzen, gegen die keine Schmerzmittel wirken, Erbrechen, Halluzinationen und unkontrolliertes Verhalten zu beobachten. Später können Bewusstseinsstörungen, Krämpfe, Abfall des Puls und Blutdrucks, erhöhte Temperatur und Lähmungen in den Extremitäten und der Atmung hinzukommen. Das Hirnhöhenödem führt spätestens nach 24 Stunden zum Tod. Es ist behandelbar, aber selbst das nicht immer erfolgreich.“ 1

Auch mein Herz schlägt deutlich schneller. Ich zwinge mich, mindestens 4-5 Liter Flüssigkeit zu mir zu nehmen und versuche am Nachmittag nach einer großen Schüssel Nudeln ein wenig zu ruhen. Doch das Atmen fällt schwer. Jeder Atemzug bringt nicht die gewohnte Sauerstoffmenge. Also zwinge ich mich dazu, permanent auf den normalen Atemzug zwei kürzere folgen zu lassen. Echt anstrengend für mich und nahezu nicht zu glauben, dass das Hüttenteam es hier oben in dieser dünnen Luft eine ganze Saison lang aushält und dabei so fröhlich und gänzlich gelassen ihre Arbeit verrichtet. Denn Wasser muß für alle notwendigen Verrichtungen mühsam außerhalb der Hütte in Form von Eis gesammelt und in einem großen Kessel geschmolzen werden. Klar, dass dieses kostbare Gut nur der Küche und dem Personal vorbehalten ist. Die Gäste wissen dies und nutzen deshalb nach jedem Toilettengang nur einfaches Klopapier und die überall aufgestellten Desinfektionsspender. Keep Life simple. An einen erholsamen Schlaf ist für mich in dieser Nacht nicht im Ansatz zu denken. Permanent gehe ich im Dunkeln zum Wasserlassen auf Toilette. Diese befindet sich glücklicherweise direkt auf dem Gang neben unserem 10-Bett-Zimmer im zweiten Stockwerk dieser imposanten Hütte. Ein im Verhältnis betrachtet harmloses Symptom der Höhe.

Über unseren Köpfen thront bereits das Tagesziel – die Signalkuppe (4.554 m) mit der höchsten bewirtschafteten Schutzhütte des gesamten Alpenraums.

Anders verhält es sich mit der Atmung. Solange ich noch wachliege und mich auf die tiefere Atmung konzentrieren kann ist alles in bester Ordnung. In dem Moment aber, in dem ich langsam müde werde und die Atmung abflacht, wache ich sofort auf und spüre, dass hier oben etwas richtig schwierig ist – Schlafen. Es wäre sicherlich übertrieben, in diesem Zusammenhang von Panik zu sprechen. Dennoch überfällt mich der übergroße Wunsch, einfach nur normal schlafen zu können, ohne permanent munter zu werden und festzustellen, dass der Sauerstoffmangel einfach nicht verschwinden wird.

Tag 5 – Monte-Rosa Hütte (2.883 m) – Rotenboden (2.815 m)

Eine ganz spezielle Erfahrung, die ich nicht allzu schnell wieder machen möchte. Die Nacht geht vorüber und ist kurz. bereits 3.45 Uhr klingeln oder vibrieren diverse Smartwatches an den Handgelenken meiner super coolen Mitstreiter und bewundernswert leidensfähigen und ebenso sympathischen Bergsteigerkolleginnen. Schnell wird das Frühstück hinter die Gaumen geschoben, die obligatorische Thermoskanne mit heißem „Marsch-Tee“ befüllt und schon geht es auf die letzte Etappe. Bei klirrender Kälte und im Licht der vielen mit Stirnlampen ausgestatteten Bergfexe schlängelt sich eine Seilschaft nach der nächsten runter von dieser „Hütte der Leiden“. Mehr als 2.000 Höhenmeter bergab liegen noch einmal vor uns. Über zahlreiche apere und nicht apere Gletscher geht es in Richtung Zivilisation zurück. Nach nicht einmal ganz drei Stunden erreichen wir die Monte-Rosa Hütte (2.883 m) und genießen einen heißen Espresso oder wie in meinem Fall: eine heiße Schokolade. Nun steht fest. Die Zeit in den Alpen neigt sich dem Ende entgegen und eine komplett fantastische Woche geht zu Ende.

Schlussetappe von der Monte-Rosa-Hütte (2.883 m) über den aperen Gornergletscher zur Station Rotenboden (2.815 m)

Ein letztes Mal Steigeisen anlegen und schon geht es über den mit deutlich und weithin sichtbaren Stangen markierten Gornergletscher. Die Spalten sind tief und gut zu erkennen. Wir springen wie die Gämsen über das weite Eisfeld unserem Zielort entgegen, der Station Rotenboden (2.815 m). Jetzt geht es nur noch bergab. Für mich auch sinnbildlich gesprochen. Es war alles hier so aufregend, so anders, so wunderschön. Eigentlich möchte ich überhaupt nicht nach Zermatt, um mich dort von meinen, mir mittlerweile echt ans Herz gewachsenen Bergfreunden zu verabschieden.

Aber so ist es nun einmal. Die Berge stehen dort bereits seit ewigen Zeiten.

Zweiter Tag. Zweiter Gipfel (Castor – 4.221 m). Die Freude ist allen ins Gesicht geschrieben. Super Wetter. Toller Weitblick und ja, es macht wirklich Spaß, sich hin und wieder bergauf zu quälen.

„…Wir Menschen bestaunen und bewundern sie, klettern auf ihnen herum und genießen jeden Moment in ihrer Nähe.

So bleibt nur ein wehmütiger Blick zurück und das Vertrauen darauf, dass es ganz sicher ein Wiedersehen geben wird.

Fußnoten

1 https://www.quarks.de/gesundheit/medizin/das-macht-die-hoehe-mit-deinem-koerper/

Veröffentlicht unter Alpin